Konzentriert durchstarten

Die Konzentration oder Aufmerksamkeit ist ein Produkt aus komplexen Abläufen unseres Gehirns und kann keinem bestimmten Hirnareal zugeordnet werden. Als beteiligte Mitspieler gelten beispielsweise der Thalamus, der präfrontale Cortex sowie das vordere und hintere Aufmerksamkeitsareal des Gehirns, aber auch spezielle Botenstoffe wie Dopamin oder Noradrenalin helfen uns unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Aufgabe zu lenken.

Wodurch wird unsere Konzentration beeinflusst?

Eine Reihe von Einflussfaktoren kann für ein besseres oder schlechteres Konzentrationsvermögen sorgen. Grundlegende Einflussfaktoren stellen ein gesundes Schlaf- und Essverhalten dar. Ein weiterer wichtiger Faktor ist außerdem unser emotionaler Gefühlszustand. Sind wir traurig, wütend oder sehr gestresst, hat dies einen negativen Einfluss auf unser Konzentrationsvermögen. Neben unserem psychischen Zustand ist auch unser physischer Zustand nicht zu vernachlässigen. Ausreichend Bewegung wird ohnehin zur Gesunderhaltung des Körpers empfohlen, stellt aber auch eine wichtige Komponente für die Qualität unserer Konzentration dar. Ebenfalls nicht zu verachtende Einflussfaktoren sind die Motivation bzw. Lernbereitschaft in einer Sache und auch äußere Umweltfaktoren. Läuten beispielsweise nebenbei die Kirchenglocken und alle 10 Minuten klingelt das Telefon, ist eine tiefe Konzentration auf eine Tätigkeit nicht möglich, da unser Aufmerksamkeitsfluss immer wieder unterbrochen wird. Bei fehlender Motivation, da kein Sinn oder Interesse in der Beschäftigung mit einer Aufgabe wahrgenommen wird, ist es ebenfalls schwer die nötige Konzentration aufzubringen.

Ein etwas anderer, grundlegender Einflussfaktor ist außerdem das Alter. Studien haben ergeben, dass Kinder ihre Aufmerksamkeit bzw. Konzentration immer nur eine kurze Zeitspanne über vollständig auf eine Sache ausrichten können. Kinder im Alter von 5-7 Jahren können sich im Durchschnitt nur 15 Minuten lang in vollem Umfang konzentrieren. 12-16jährige im Durchschnitt für 30 Minuten. Da es sich hierbei um Durchschnittswerte handelt, sind entwicklungsspezifische individuelle Abweichungen immer möglich.

Wie können wir also die Konzentration fördern?

Bevor allgemeingültige Tipps gegen die Konzentrations-Problematik umgesetzt werden, ist es wichtig, ein wenig Ursachenforschung zu betreiben. Das bedeutet zu überprüfen, ob Bereiche aus den allgemeinen Einflussfaktoren Störungen aufweisen und zunächst ausgeglichen werden müssen.

Bei gravierenden Problemen mit der Konzentration wird immer der Gang zum Arzt empfohlen, um abzuchecken, ob ein gesundheitliches Problem vorliegt. Ursachenforschung sollte also auf folgenden Ebenen geschehen:

Ursachen der Lebensweise: Schlafmangel, ungesunde Ernährung, Stress, Überlastung

Diagnostische Ursachen: z.B. AD(H)S, psychische Störungen oder Entwicklungsstörungen, Vitaminmangel

Und nun zu den Tipps...

Umweltreize wie visuelle oder akustische Ablenkungen stören den Konzentrationsfluss und erschweren allgemein die Aufmerksamkeitsausrichtung auf eine Tätigkeit. Eine geeignete Lernumgebung ist optimalerweise vor solchen Ablenkungen geschützt. Zu solchen Ablenkungen zählen beispielsweise ein laufender Fernseher, ein laufendes Radio, sichtbare Spielsachen, im selben Raum wuselnde Geschwister, ein vor dem Fenster stehender Schreibtisch, allgemeiner Lärm. Aber auch innere Ablenkungen wie Wut, Druck oder Trauer erschweren die Konzentration.

Neben Glukose und anderen Stoffen aus der Ernährung braucht unser Gehirn für seine Leistung Sauerstoff. Vor dem Lernen (oder auch vor dem Arbeiten) sollte der Raum gut gelüftet werden. Kündigt sich ein Konzentrationstief an, können etwas Bewegung an der frischen Luft oder am geöffneten Fenster für einen Ausgleich sorgen. Gut zu wissen ist außerdem, dass das Bewegen oder Rumzappeln von Kindern während des Lernens oder der Hausaufgaben eine gesunde und normale Reaktion des Körpers ist: Bewegung führt zu erhöhter Sauerstoffaufnahme und „tankt die Akkus“ des Gehirns wieder auf. In dem Fall kann eine gezielte Bewegungspause tatsächlich hilfreich sein.

Die Ernährung ist essenziell, um unseren Körper mit allem zu versorgen, was er braucht. Die richtige Ernährung trägt zu seiner gesunden Funktionsweise bei, wozu auch die Arbeit des Gehirns und damit unser Konzentrationsvermögen gehören. Grundsätzlich sollte demnach auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung geachtet werden:

Wasser – Viel trinken ist sowieso immer gut, am besten eignen sich dazu Wasser oder ungesüßte Tees.

Vitamine – Vitamine stecken, wie jeder weiß, vor allem in Gemüse und Obst.

Gesunde Fette – Vor allem Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für unsere Hirnleistung. Omega-3 ist u. a. enthalten in Fisch, Nüssen, Lein- u. Rapsöl u. Avocado.

Aminosäuren – Sie sind enthalten in Hülsenfrüchten wie Linsen, Kichererbsen oder Bohnen. Zwar liefert auch Fleisch diese Aminosäuren, dieses sollte aber aufgrund der gesättigten Fettsäuren nicht als Haupt-Eiweiß-Quelle genutzt werden.

Langkettige Kohlenhydrate – Kohlenhydrate werden vom Körper zu Zucker bzw. Glukose gespalten, um daraus Energie zu ziehen. D. h. eine Zufuhr von Kohlenhydraten ist wichtig für unsere Leistung. Langkettige und damit gesunde Kohlenhydrate liefern beispielsweise Vollkornprodukte. Von kurzkettigen Kohlenhydraten, also z. B. raffiniertem Zucker und Weißmehl ist abzuraten, da diese zwar schnell Energie liefern, diese Energie aber schnell wieder absinkt und den Körper dadurch noch müder macht als vorher. Langkettige Kohlenhydrate liefern ein stabiles Energielevel.

Energiesnack für die Schule/das Lernen – Da Süßigkeiten nur sehr kurz Energie liefern und dadurch auch müde machen, sind sie kein geeigneter Konzentrations-Snack. Für die Schule oder das Lernen sind Snacks wie Weintrauben, Rosinen, Äpfel, Bananen, Gemüsestreifen oder Vollkornbrot besser geeignet.

Kinder müssen erst lernen sich nur mit einer Sache zu beschäftigen und Gedanken an andere Dinge oder Umweltreize auszublenden. Beim Spielen untereinander geschieht dies ganz automatisch. Bei anderen Dingen sollten Eltern darauf achten, dass Kinder nicht alles auf einmal tun. Sprich, wenn gespielt wird, läuft nicht nebenbei der Fernseher, wenn Radio gehört wird, wird Radio gehört und nicht nebenbei gelernt usw.

Entspannung, Reizkontrolle und Konzentration bzw. das Fokussieren auf eine Tätigkeit kann gelernt und trainiert werden. Typische Methoden dazu sind autogenes Training, Muskelentspannung und Meditation. Bestimmte Sportarten wie Judo, Karate oder auch Tanzen gehören auch dazu. Weitere Möglichkeiten stellen das Vorlesen, visuelle Reize wie das Beobachten von Tieren oder Hören von Hörspielen dar.

Zusammenfassung

Insgesamt gibt es jede Menge Dinge, die wir unternehmen können, um die Konzentration der Kinder bzw. Schüler*innen und auch unsere eigene Konzentration zu fördern. Neben diesen Tipps ist das Verständnis für Kinder und ihre natürlichen Bedürfnisse sowie entwicklungsbedingten Möglichkeiten essenziell, um ein gesundes Maß an Konzentration fordern und fördern zu können.

Bring your friend?

2019 collection

Das Lernen mit einem oder einer vertrauten Lernpartner*in sorgt für eine entspannte Lernatmosphäre und Spaß beim Lernen, wodurch das Gehirn der Schüler*innen neue Informationen besser aufnehmen kann. Durch wechselseitiges Erklären und Zuhören werden Zusammenhänge besser verstanden und aufgenommen. Da beim gemeinsamen Lernen die soziale Kompetenz der Schüler*innen gefordert wird, lernen sie sich auf ihren Lernpartner*innen einzulassen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Schüler*innen können sich gegenseitig außerdem wunderbar ergänzen und motivieren, da jeder individuelle Stärken besitzt, von denen der/die andere profitieren kann.