Homeschooling – Tipps und Tricks für das Lernen zu Hause

Share on whatsapp
WhatsApp
Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on email
Email

Einleitung

Viele Schüler*innen sind derzeit mit Homeschooling, Distanzlernen und hybriden
Lernsystemen konfrontiert und müssen neue Wege finden, ihre ganz persönliche „School-Life-Balance“ in einem pandemiegeprägten Alltag zu finden. Zudem stellt das vermehrte von Zuhause arbeiten auch die Eltern vor neue Herausforderungen.
Homeschooling bedeutet, dass der Schulalltag nun im Kinderzimmer, Arbeitszimmer oder am heimischen Küchentisch stattfindet. Die Kinder und Jugendlichen werden per Videokonferenz unterrichtet und digital mit Arbeitsblättern, Lehrmaterialien und Aufgaben versorgt, um den Lernfortschritt während der Ausnahmesituation auch weiterhin möglichst vergleichbar zu garantieren. Und das ist gar nicht so einfach:
Wenn dann erst einmal die nötige Hardware zur Verfügung steht, was für eine Vielzahl von Familien bereits eine Herausforderung ist, gibt es auch noch eine große Auswahl an Schulsoftware und ergänzender Software, wie Apps und interaktive Lernplattformen, die das Lernen möglich machen sollen und die Kinder und Jugendlichen in ein digitales Klassenzimmer einladen. Eine Doppelbelastung für alle Beteiligten, denn sowohl die Schüler*innen, als auch die Eltern als Begleiter*innen, sind fernab der Organisation und Strukturierung für Zuhause, auch noch damit konfrontiert, neben dem eigentlichen Schulstoff etliche Softwarekenntnisse und Skills für die digitale Lernsituation zu erarbeiten.

Um unsere Leser*innen, die sich vielleicht auch in einer vergleichbaren Situation befinden ein bisschen zu begleiten, soll dieser Artikel einen kurzen Überblick über die essentiellen Rahmenbedingungen für das Homeschooling geben und eventuell noch den ein oder anderen Tipp mit auf den Weg geben, wie das Lernen von zuhause in Zukunft vielleicht leichter fällt und mehr Spaß macht.

Das kleine 1x10 für das Lernen Zuhause

Im Folgenden werden zehn wichtige Themenfelder für das Homeschooling vorgestellt. Hinterfragen Sie sich als Leser*in nach jedem Absatz: Ist dieser Punkt erfüllt bzw. sind die Rahmenbedingungen hierfür gegeben? Wenn Sie die Frage mit „Nein“ beantworten, können Sie vielleicht für die optimale Lernatmosphäre noch an der ein oder anderen Stellschraube drehen. Dieser Artikel möchte Sie außerdem eindringlich dazu ermutigen, den notwendigen Dialog zu suchen oder sich ggf. Hilfe zu holen, denn diese kommt allen Beteiligten zugute und hat das Potenzial die individuelle Förderung nachhaltig zu verbessern.

1×1 | Arbeitsplatz für Schüler*innen

Wer lernen möchte, muss sich wohlfühlen und konzentrieren können. Der richtige Arbeitsplatz ist dafür absolut essentiell. Am besten natürlich ungestört, an einem Schreibtisch mit ausreichend Tageslicht, einem Fenster für frische Luft und Platz zum Ausbreiten und Einrichten. Außerdem sollten alle Materialien, wie Stifte, Papier und Schulbücher in greifbarer Nähe sein, um den Lernprozess nicht zwingen unterbrechen zu müssen. Wenn Schüler*innen kein eigener Schreibtisch zur Verfügung steht, sollte der Versuch unternommen werden einen Lernort zu schaffen, an dem ein vergleichbares Setting für einige Zeit am Tag erzielt werden kann.

1×2 | Ausstattung beim Homeschooling​

Warum ist der Punkt Ausstattung so wichtig? In der Schule gibt es eine Menge Leistungen, die für die Schüler*innen ganz selbstverständlich sind, wie ausgedruckte Arbeitsblätter, die Tafel oder sämtliche Materialien in den Fachräumen. In Zeiten des Homeschoolings werden Laptops bzw. Computer, Drucker und das Internet zu essentiellen Voraussetzungen. Daher ist es wichtig, dass diese den Schüler*innen auch immer dann, wenn sie gebraucht werden zur Verfügung stehen. Sollte die Gewährleistung für die Eltern Probleme bereiten, gibt es Unterstützungsmöglichkeiten – Die entsprechende Schule und auch das Bildungs- und Teilhabepaket, zu dem wir gerne beraten, kann hier helfen!

1×3 | Kommunikation

Die Kommunikation mit allen Beteiligten des Geschehens digitaler Lehre ist das A und O des Lernens. Hier braucht es ein gutes Zusammenwirken und aufmerksames Miteinander.

Kommunikation zwischen Schüler*innen und Lehrer*innen​

Eine gute Beziehung fördert nachweislich das Lernen der Schüler*innen. Es ist also umso wichtiger, dass die Lehrer*innen auch aus der Distanz Ansprechpartner*innen für die Schüler*innen bleiben. Es braucht eine gelingende Beziehungsarbeit und einen regen Austausch, vor allem wenn es um Fragen oder Sorgen der Schüler*innen geht.

Kommunikation zwischen Schüler*innen und Eltern

Auch die Eltern sollten bestenfalls bei Fragen und Sorgen ansprechbar für die Schüler*innen sein. Hierbei geht es nicht ausschließlich um Hilfestellung bei den Schulaufgaben, sondern auch um übergeordnete Themen der Kinder und Jugendlichen, wie Probleme und Sorgen und um grundsätzliche Themen des Miteinanders, z.B. der Einrichtung von Lernorten oder der Struktur im Alltag. Am Leben des anderen teilzunehmen und sich über gegenseitige Bedürfnisse austauschen hilft enorm. In jedem Fall ist es wichtig miteinander zu sprechen, damit erfolgreiches Lernen garantiert werden kann.

Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer*innen

Außerdem sollten auch die Eltern und Lehrer*innen miteinander im Austausch stehen. Ein pädagogisches Team zu bilden, um die Kinder und Jugendlichen vor allem in herausfordernden Lebensphasen, wie im Homeschooling zu fördern, hilft nachhaltig Lernerfolge zu erzielen. Gemeinsam Schwierigkeiten und Herausforderungen im Alltag zu besprechen, lösungsorientiert in eine Richtung zu blicken und Möglichkeiten zu entwickeln, den Alltag für alle Beteiligten optimal zu gestalten, hilft auch den Schüler*innen beim Lernen.

1×4 | Struktur beim Lernen zu Hause​

Etwas Struktur im Alltag hilft allen Menschen sich zu orientieren – auch den Schüler*innen im Homeschooling. Dabei ist es sinnvoll, über den Stundenplan hinaus, auch den Tag nachsichtig vorzuplanen, denn gerade zu Hause gibt es eine Menge Ablenkungsmöglichkeiten. Um auch am heimischen Schreibtisch genauso produktiv zu sein, wie in der Schule empfiehlt es sich ähnliche Routinen wie im Schulalltag beizubehalten. Hierzu zählen z.B. das regelmäßige Aufstehzeiten, geregelte Pausenzeiten und das Erstellen von Wochenplänen, in denen auch alle eigenständig zu erledigenden Aufgaben oder Lernphasen vorgeplant werden.

1×5 | Lernatmosphäre beim Homeschooling

Neben dem richtigen Arbeitsplatz ist es natürlich auch wichtig, die richtige Lernatmosphäre zu schaffen. Den Arbeitsplatz nach dem eigenen Wohlbefinden einzurichten und auszustatten, ist nur ein Teil dessen. Ein Glas Wasser, eventuell leise verträgliche Hintergrundmusik, Bilder oder ein paar frisch gepflückte Feldblumen, an denen man sich erfreuen kann, steigern den Wohlfühlfaktor und somit auch die Freude weiter am Schreibtisch zu sitzen. In jedem Fall sollte es aber immer die Möglichkeit geben, in Ruhe zu arbeiten und nach Möglichkeit bspw. nicht regelmäßig von den Geschwistern oder dem vibrierenden Smartphone abgelenkt zu werden. Alles was stört oder ablenkt hilft nicht und darf deshalb mindestens bis zur nächsten Pause warten.

1×6 | Motivation für Schüler*innen

„Was motiviert mich eigentlich?“ Mit dieser Frage sollten sich Schüler*innen besonders im Homeschooling auseinandersetzen. Eigeninitiative ist gefragt: Zum einen sollte klar sein, was genau ein Ansporn für das tägliche Lernen sein kann und zum anderen, wie man dies in den Lernalltag zuhause integrieren kann. Hiermit ist nicht zwingend die spätere berufliche Perspektive gemeint, sondern auch ganz einfache Dinge. Wenn bspw. das Telefonat mit der besten Freundin oder dem besten Freund lockt, sollte dies genau eingeplant werden: „Erst drei Aufgaben für die Matheklausur, dann kann ich anrufen“. Manchmal hilft es auch genau zu planen, wann man welche Aufgaben macht. Wie wäre es also mit den unbeliebtesten zuerst, um die Pause danach besonders genießen zu können und danach motivierter an die leichten Aufgaben heranzugehen?
Wichtig ist, sich stets mit dem individuellen Lernverhalten auseinanderzusetzen, um zu verstehen wie Potentiale genutzt werden können. Und wenn es dann mal doch nicht so klappt und die Akkus leer sind, nicht böse oder traurig werden und auf das stolz sein, was geschafft wurde – Morgen ist ein neuer Tag!

1×7 | Selbstwirksames Arbeiten und Unabhängigkeit

Mit dem Homeschooling selbstwirksames Arbeiten und Unabhängigkeit zu fördern, ist eine große Chance des Distanzlernens. Dafür brauchen die Schüler*innen den Raum und das Vertrauen, ihre eigene Arbeitsweise zu finden. Erst dann zu reagieren, wenn die Schüler*innen explizit nach Hilfe fragen, unterstützt im eigenständigen Lernprozess und motiviert kleinere Hürden auch eher in Eigenregie anzugehen.

1×8 | Unterstützung für Schüler*innen beim Homeschooling

Ehrliches Interesse am Lernprozess und Feedback ist enorm wichtig. Auch dafür sollte, genau wie in der Schule, Raum vorhanden sein. Genauso ist es aber auch wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen konkrete Hilfe und Unterstützung bei spezifischen Fragen bekommen können. Auch hier ist das ganze pädagogische Team gefragt: Eltern, Bezugspersonen und Lehrer*innen. Es gilt stets zu hinterfragen, ob das Maß an Unterstützung den Ansprüchen der Schüler*innen gerecht werden kann, denn auch die Eltern müssen ggf. arbeiten und die Lehrer*innen betreuen eine Vielzahl von Kindern und Jugendlichen, die alle Aufmerksamkeit brauchen. Ist dies nicht der Fall, können weitere Hilfestellungen sowohl Apps und Lernprogramme, die den Schüler*innen in einigen Themenfeldern helfen können, als auch die persönlichere Option der Nachhilfe bieten.

1×9 Ziele beim Lernen

Perspektiven zu eröffnen und Ziele zu formulieren, ebnet den Weg für das erfolgreiche Lernen und hilft, die Motivation dabei nicht zu verlieren, denn die aufgewendete Energie im Lernprozess erscheint als sinnstiftend. Wichtig ist es also auch kleine Ziele zu formulieren, sie sich aufzuschreiben oder zu verbildlichen: Wie wäre es z.B. mit einem Visionboard (kreative Collage mit Bildern und Wörtern, die zukünftige Ziele aufzeigen) über dem Schreibtisch?

1×10 Erfolgserlebnisse beim Lernen

Die Formulierung von Zielen steht eng im Zusammenhang mit dem Kreieren von
Erfolgserlebnissen. Kleinschrittige Ziele führen regelmäßig zum Erfolg und steigern die Motivation weiter zu machen. Gerade zuhause, in einem Umfeld, in dem es eine Menge anderer Dinge gäbe, mit denen Schüler*innen sich anstelle der Unterrichtsinhalte beschäftigen können, ist es unerlässlich zu wissen, wofür dieses ganze Lernen wichtig ist und das auch hin und wieder in Form von Erfolgserlebnissen spüren zu können.

„School-Life-Balance“

Genau wie auch die Erwachsenen im Arbeitsalltag, brauchen die Schüler*innen eine ausgewogene Balance zwischen Arbeits- bzw. Lernphasen und Freizeit. Das 1×10 gibt hierfür bereits einige Tipps mit auf den Weg, die die Organisation dessen vereinfacht, trotzdem ist es wichtig achtsam mit dem essentiellen Bedürfnis nach Ausgleich umzugehen. Schule ist ein sozialer Ort, die Schüler*innen gehen täglich nicht ausschließlich zum Lernen dort hin, sondern treffen Freund*innen, tauschen sich aus, Spielen in den Pausen und haben gemeinsam Spaß. All diese Dinge fallen aus der Distanz weg. Deshalb braucht auch der soziale Raum ausreichend Platz im Alltag Schüler*innen. Pausen, Medien zum freizeitlichen Austausch, wie Telefon, Videochat-Apps und Spieleplattformen und regelmäßige bildschirmfreie Zeit, gefüllt mit bspw. Spaziergängen, Sport und frei gestalteten Ruhephasen sind von essentieller Bedeutung, um die Akkus wieder aufzuladen und motiviert arbeiten zu können. Genau wie in der Präsenzlehre auch. Die vielen Veränderungen im Leben der Schüler*innen, Distanz und der fehlende persönliche Austausch kann außerdem auch zusätzliche emotionale Bedürfnisse mit sich bringen. Auch hier ist ein aufmerksamer Umgang aller Beteiligten gefragt. Die Schüler*innen brauchen Ansprechpartner*innen und die Ermutigung, darüber zu sprechen, wenn es Ihnen aus verschiedensten Gründen nicht gut geht. Isolation fördert eventuell Trauer und das Gefühl von Einsamkeit, die Berichterstattung über notwenige Verlängerungen vielleicht Ohnmachtsgefühle und Wut. Sich im Zweifelsfalle hier auch Hilfe zu holen, ist kein Zeichen von Versagen oder Schwäche, sondern das bestmögliche, was man tun kann, damit die ganze Familie glücklicher ist. Ansprechpartner*innen sind bspw. Eltern- und Familienberatungsstellen, Kinder- und Jugendnotdienst, Fachärzte, Hilfetelefone oder der psychosoziale Dienst.

Ausblick auf die Zukunft

Wer jetzt in einen gelingenden Schulalltag in den eigenen vier Wänden investiert, wird langfristig belohnt. Die Tendenz zeigt, dass Distanzlernen, Homeschooling und hybride Unterrichtsmodelle länger zum Schulbild in Deutschland gehören werden.
Es ist auch davon auszugehen, dass sich durch die neuen Strategien und erlernten Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen langfristig integrierbare Möglichkeiten zur
digitalen Lehre ergeben, die die Schul- und Lernlandschaft nachhaltig prägen und verändern werden. Wer also schon heute versucht es sich am heimischen Schreibtisch optimal einzurichten, fühlt sich länger dort wohl und wird bestimmt mit Erfolgserlebnissen durch die eigene Produktivität belohnt!

Quellen

Mehr entdecken

Kind beim Lernen mit Problemverhalten

Wie Kinder mit Problemverhalten besser lernen

Ein aktuell aufkommendes Thema bei Lehrkräften, Referendaren und Nachhilfelehrern ist der Umgang mit Problemverhalten bei Schüler*innen. Diese sind nämlich besonders gut darin, sich an Autoritätspersonen „zu reiben“ und Grenzen auszutesten oder sich gegen Regeln aufzulehnen. In diesem Artikel soll es um die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder gehen und wie wir pädagogisch am besten mit dem herausforderndem Verhalten um- bzw. auf diese eingehen können.

LRS – Anzeichen und Tipps

Die Lese-Rechtschreib-Störung dient als Diagnose für Menschen, die starke Schwierigkeiten beim Erwerb der Schriftsprache aufweisen. Weitere Schwierigkeiten bestehen in der Umformung von gesprochener zu geschriebener Sprache und andersrum sowie in der phonologischen Bewusstheit. In der Diagnostik wird die Lese-Rechtschreib-Störung mit ihren Ausprägungen als Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten verstanden.

Bring your friend?

2019 collection

Das Lernen mit einem oder einer vertrauten Lernpartner*in sorgt für eine entspannte Lernatmosphäre und Spaß beim Lernen, wodurch das Gehirn der Schüler*innen neue Informationen besser aufnehmen kann. Durch wechselseitiges Erklären und Zuhören werden Zusammenhänge besser verstanden und aufgenommen. Da beim gemeinsamen Lernen die soziale Kompetenz der Schüler*innen gefordert wird, lernen sie sich auf ihren Lernpartner*innen einzulassen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Schüler*innen können sich gegenseitig außerdem wunderbar ergänzen und motivieren, da jeder individuelle Stärken besitzt, von denen der/die andere profitieren kann.