Heute schon gelobt?

Erinnern wir uns zurück an unsere Schulzeit. Da gab es meist diese Ecke hinten im Klassenzimmer, die der Lehrperson oft den letzten Nerv raubte. Oft fielen Sätze wie „Jetzt seid doch mal still!“, „Habt ihr überhaupt gehört, was ich gesagt habe?“ oder „Ruhe jetzt!“. Dann gab es aber auch die vereinzelten Personen, denen Sätze wie „Sehr schön!“, „Gut gemacht, weiter so!“ oder „Da können sich jetzt alle mal ein Beispiel dran nehmen.“ zuteilwurden. Diese uns bekannten sprachlichen Formeln sollen als Lob und Tadel ausdrücken, welche Verhaltensweisen oder Leistungen positiv oder negativ gewertet werden.

Lob und Tadel sind ein wichtiger Teil von Unterricht und erfüllen jeweils eine bestimmte Wirkung. Ein ernst gemeintes Lob der Lehrperson wirkt beispielsweise motivierend, aufmuntert und zielführend. Ein Tadel verfolgt das Ziel ein unerwünschtes Verhalten wie lautes Reden, das Kippeln mit dem Stuhl oder mangelnde Konzentration zu eliminieren. Das klingt einfach: Loben zur Motivationssteigerung und Tadeln bei Unterrichtsstörungen.  Allerdings ist beim Loben, zwischen effektivem und ineffektivem Loben zu unterscheiden. Eine Lehrperson, die zum Loben dauernd dieselben Floskeln verwendet, läuft Gefahr, dass ihr Lob schnell abnutzt. Das Loben durch Floskeln lobt außerdem meist nur für die Teilnahme an einer Situation, selten aber die persönliche Leistung. Um also ein effektives Lob auszusprechen, sollte darauf geachtet werden die individuellen Leistungen der Schüler*innen hervorzuheben. Dies muss nicht immer vor versammelter Mannschaft geschehen. Wenn beispielsweise ein Schüler ungern vor der ganzen Klasse vorliest, sich aber trotzdem traut, bietet es sich an, ihm das Positive an seiner Leseleistung nach dem Unterricht unter vier Augen widerzuspiegeln. Das kann z. B. erfolgen, indem man sagt: „Hey, ich fand es total klasse, dass du heute vorgelesen hast. Mir hat besonders gut gefallen, wie ruhig deine Stimme dabei klingt.“. Ebenso kann man eher unruhigere Schüler*innen dafür loben, wenn sie sich in einer Stunde gut benommen haben, statt sie nur zu tadeln, wenn sie stören: „Du, ich weiß es fällt dir oft schwer still zu sitzen und dich zu konzentrieren, aber heute hattest du dich wirklich gut im Griff. Das war ganz toll.“. Um effektiv zu loben, sind folgende Dinge zu beachten: Das Lob sollte individuell auf die Leistungsprozesse des einzelnen Schülers angepasst sein. Es sollte Rücksicht auf die jeweiligen Anstrengungen des Schülers und seine Erfolge nehmen. Effektives Lob lobt unabhängig von Leistungen anderer Schüler*innen und sollte nicht das Konkurrenzdenken fördern. Ziel ist es, den Schülern*innen ein Gefühl für ihre Fähigkeiten zu geben und ihre intrinsische Motivation zu fördern.

Das Tadeln bei Störungen oder Regelmissachtungen, ist eine von mehreren Möglichkeiten auf unerwünschte Verhaltensweisen zu reagieren. Dabei ist zu beachten, dass der jeweilige Tadel zunächst als Verwarnung gilt und unmittelbar auf das unerwünschte Verhalten erfolgt. Im Idealfall werden dabei schon mögliche Konsequenzen oder Sanktionen angekündigt, mit denen bei erneuter Störung zu rechnen ist. Führt die Verwarnung nicht zum Erfolg, sind zuvor angekündigte Konsequenzen bzw. Sanktionen einzufordern. Wichtig beim Einsetzen von Tadeln und weiteren Konsequenzen oder Sanktionen ist es, darauf zu achten, dass alle Schüler*innen, die das unerwünschte Verhalten zeigen, gleichermaßen getadelt werden. Fairness spielt hier eine große Rolle, da Schüler*innen ein feines Gespür für Unrecht und Bevorzugung besitzen. Konsequenzen ergeben sich aus der Darbietung eines negativen Ereignisses oder des Ausschlusses von einem positiven Ereignis. Ersteres könnten im Härtefall der Ausschluss vom Unterricht, eine Klassenkonferenz oder ein Gespräch mit der Schulleitung sein. Zweiteres könnte der Ausschluss an der mündlichen Beteiligung für den Rest der Stunde sein (wenn die getadelte Person sich gerne meldet) oder als einzige Person nicht ein paar Minuten früher gehen zu dürfen. Beim Tadeln ist außerdem immer abzuschätzen, wie wahrscheinlich der zielführende Effekt ist. Effektlos wird ein Tadel beispielsweise dann, wenn Schüler*innen die Aufmerksamkeit der Lehrperson während des Tadelns positiv bewerten und dadurch als positive Verstärkung für ihr Fehlverhalten interpretieren. An dieser Stelle ist da Feingefühl der Lehrperson gefragt sowie auch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lob und Tadel.

Generell können wir festhalten, dass ein gut platziertes Lob einem Tadel vorzuziehen ist. Tadel sollten sparsam, fair und umsichtig eingesetzt werden, wenn sie zum Ziel führen sollen. Beim Loben ist darauf zu achten, nicht in das Austeilen von typischen Floskeln zu verfallen. Beispielsweise müssen Schüler*innen nicht jedes Mal für das Vorlesen einer Aufgabe gelobt werden. Eine gute Möglichkeit in solch einem Fall kann auch ein einfaches „Danke.“ darstellen.

Gibt es dazu auch ein Video?

Hier findet ihr einen sehr interessanten Vortrag von Gerald Hüther auf der 2. Konferenz des Denkwerks Zukunft zum “Lernen mit Begeisterung”.

Bring your friend?

2019 collection

Das Lernen mit einem oder einer vertrauten Lernpartner*in sorgt für eine entspannte Lernatmosphäre und Spaß beim Lernen, wodurch das Gehirn der Schüler*innen neue Informationen besser aufnehmen kann. Durch wechselseitiges Erklären und Zuhören werden Zusammenhänge besser verstanden und aufgenommen. Da beim gemeinsamen Lernen die soziale Kompetenz der Schüler*innen gefordert wird, lernen sie sich auf ihren Lernpartner*innen einzulassen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Schüler*innen können sich gegenseitig außerdem wunderbar ergänzen und motivieren, da jeder individuelle Stärken besitzt, von denen der/die andere profitieren kann.